Aufmerksamkeit


Ein Allerweltsbegriff, der die letzten Jahre wieder durch den Begriff Achtsamkeit in Mode gekommen ist – was versteht man darunter?
 
Es ist ein sehr bedeutsamer Vorgang oder Augenblick, ein Wahrnehmen, ein Hören aus der Stille heraus - nach J. Krishnamurthi oder mit E. Tolle gesprochen, ein Erkennen der Dimension des Formlosen in uns, was er letztlich als den tieferen Sinn menschlichen Lebens ansieht.
 
Es ist ein vollständiges Wahrnehmen, das nicht zeitgebunden, das absichtslos ist und nicht Rekurs auf Erinnern nimmt! Es orientiert sich nicht nach irgendwelchen Belohnungen bzw. auf die Vermeidung von Sanktionen. Es beinhaltet nicht einmal die Absicht, etwas zu lernen.
Diese Wahrnehmung ist also vollkommen frei, motivlos, sie erfordert jedoch die volle Aufmerksamkeit. Die Trennung von Beobachter und Objekt löst sich auf. Wir sind gewissermaßen das Zubeobachtende und erhalten so direkt Information vom Objekt. Die Tür für eine höhere (nicht individuelle) Intelligenz öffnet sich, wir können dann Zugang zu innerer Weite, Schönheit u.v.m.  erfahren. Durch die Verschmelzung von Subjekt und Objekt existiert dann nur noch Gewahrsein. Wir können dann auf einer tieferen Ebene die Dinge / Inhalte um uns herum und in uns wahrlich verstehen, z. B. die Erhabenheit einer Morgenröte, die Schönheit einer Landschaft oder die Stille, die von einem Baum ausgeht, die Essenz eines Steines oder wenn der Blick nach Innen gerichtet ist, die Ewigkeit, die Unendlichkeit u.a. Wir sind dann wieder in Verbindung mit dem, was um uns herum ist und mit uns selbst.
Durch Reflektieren, Analysieren und Schlussfolgern trennen wir uns davon - dies schließt nicht aus, dass in einem anderen Zusammenhang dieses Vorgehen keine Relevanz hätte.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass die vielen Autoren unterschiedlicher Therapierichtungen, die neuerdings auf dieser Modewelle schwimmen, die Tiefe des Vorgehens wirklich verstanden haben und entsprechend anwenden. Ganz wichtig finde ich die wissenschaftliche Überprüfung, soweit dies möglich ist. Die Überprüfung macht natürlich nur bei adäquater Anwendung Sinn. Das würde bedeuten, dass die bei solchen Untersuchungen beteiligten Probanden entsprechende Erfahrung haben müssen, ob dafür Studenten, da diese meist einfach zu gewinnen sind, infrage kommen, muss kritisch betrachtet werden.
 

Altshausen, den 04.06.2017 / 20.12.2016
Oswald Horn