Besorgnis um die Erde


Naturwissenschaft - Geisteswissenschaft - Spiritualität

Steht uns demnächst durch den Klimawandel eine Apokalypse bevor? Was meinen die verschiedenen akademischen Disziplinen dazu?
Wir betrachten im Folgenden nicht den kosmisch bedingten Klimawandel, sondern den, der vom Menschen gemacht und weiterhin produziert wird.

Eine ganze Reihe seriöser Naturwissenschaftler kommen durch Beobachtung, Messung und computerunterstützte Simulationsprogramme zu dem Schluss, dass wir uns auf einer Schieflage in Richtung eines Abgrundes zubewegen und dass wir nicht mehr viel Zeit hätten, diesen Prozess zu stoppen oder gar umzudrehen.
Nach Aussagen dieser Experten lässt sich ab einem bestimmten Zeitpunkt dieser destruktive Vorgang nicht mehr beeinflussen. Er würde eine gewaltige Eigendynamik entwickeln und ende in einem apokalyptischem Szenarium mit einem Sterben aller Organismen pflanzlicher, tierischer und menschlicher Qualität.  Auf lange Zeit würde unsere Erde dann nicht mehr bewohnbar sein, Land und Wasser würden übersäuert und „tot“ sein, die Atmosphäre um die Erde würde es dann auch nicht mehr geben. Auf Jahrmillionen würde unser Planet danach nicht mehr bewohnbar sein.
Diese Naturwissenschaftler haben diesbezüglich ihre Hausaufgaben sozusagen fast gemacht, sie können offenbar nicht mehr als ihre Daten und Meinungen zu veröffentlichen und weiter zu forschen. Das Gros der Politiker und die Bevölkerung wachen trotz dieser Ergebnisse nicht auf. Jetzt wären die Pädagogen, Psychologen, Politiker, Theologen, Ethiker und die Philosophie insgesamt an der Reihe, diese Ergebnisse verhaltensrelevant der Erdbevölkerung rüberzubringen.
Es passiert aber nicht und wenn überhaupt, nur sehr vereinzelt. Weder diese Disziplinen sehen sich in der Verantwortung, noch wird diese Fragestellung von den Naturwissenschaften an diese explizit herangetragen.
Warum an dieser Stelle keine Ergänzung, keine echte Kooperation?
Es kommt zu keiner echten gegenseitigen Unterstützung der verschiedenen akademischen Disziplinen. Verschiedene Aspekte dieser Disziplinen stehen zusammenhangslos nebeneinander, sie kooperieren leider noch zu selten.
 
Immerhin, von den 4 Professoren aus den Disziplinen Philosophie, Physik, Theologie und Ethik, denen ich kürzlich zugehört habe, konnte jeder seine Auffassung dartun, ohne vom anderen bekriegt worden zu sein. Das halte ich für ganz wichtig, aber es reicht nicht.

Wir sehen einer Klimakatastrophe durch Übererwärmung der Erdatmosphäre durch zu viel CO2-Ausstoß entgegen. Umweltzerstörung durch rücksichtslosen Raubbau der Rohstoffe wie Erdöl, Mineralien, Metalle u. a. Einseitige Konzentration von Agrarprodukten, Anbau von Monokulturen und dadurch Zerstörung eines bestehenden Gleichgewichtes zwischen Mensch und Natur u.a. findet statt. Dadurch werden Dürrekatastrophen, Überschwemmungen, Armut und Hungersnöten mit daraus folgender Völkerwanderung ausgelöst. Es resultieren daraus Armut durch Ungerechtigkeit, Korruption und Profitgier, die oft über entsprechende Politik und Handelsabkommen abgesichert werden zu Ungunsten lokaler Kleinbauern. Anstatt dass Globalisierung zugunsten Aller installiert wird, erfolgt sie leider nur für einige Wenige – meist Großkonzerne! Armut und Ungerechtigkeit sind dann der Nährboden für Extremansichten und Gewaltbereitschaft, letztlich für Terror, Anschlag und Krieg. Zusätzlich nutzen dann bestimmte Staaten solche Krisenregionen, um ihren Einfluss zu stabilisieren oder auszudehnen, führen dort Stellvertreterkriege, testen ihre Waffen und schaffen noch mehr Elend. Die Rüstungsindustrie der Industrienationen profitiert. Die Arbeitslosigkeit in diesen Ländern sinkt. Diesen Ländern geht es eine zeitlang auf Kosten der anderen etwas besser. Es ist ein Desaster! Der Mensch ist schlimmer als jedes Raubtier, da er seinen exzellenten Denkapparat für Macht zur Reduktion von Unsicherheit / Angst einsetzt und noch wenig Interesse hat, sein Bewusstsein zu vertiefen / erweitern.

Das sind alles Ereignisse, die der Öffentlichkeit allseits bekannt sind.

Diejenigen, die dabei profitieren schauen systematisch weg bzw. leugnen diese Gefahren. Obgleich die überwiegende Mehrheit der Menschheit, die sicher nicht dumm ist, davon Kenntnis hat, verändert sich nichts.
Warum reagieren wir darauf bestenfalls mit Absichten und Besorgnis und nicht mit effektivem Handeln?
Liegt es daran, dass diese Katastrophe noch nicht vor unserer Haustür steht, jedoch wohlwissend im Haus der unmittelbar Betroffenen. Ich erinnere an die Sahelzone. Abgesehen von dieser unmenschlichen und lieblosen Geste unsererseits sind wir so naiv und wollen nicht wahrhaben, dass die Katastrophe auch schon in unser Haus Einkehr gefunden hat. Über die Luft, oft noch unsichtbar, aber schnell um den ganzen Erdball verteilt, unsere Gewässer, Meere, den mit Plastikpartikel verseuchten Fisch und über sonstige importierte Nahrungsmittel aus Ländern, die, die bei uns produzierten, aber inzwischen hier verbotenen Pestizide und Düngemittel, einsetzen, haben wir die Gifte in Ansätzen schon längst in uns.
Es wissen alle, dass unser System Körper ab einem bestimmten Quantum „kippt“ und die Folge Krankheiten, Siechtum, genetische Veränderungen und Missbildungen sind und analog verhält es sich s. a. o. mit dem größeren System Erde.

Das Wissen scheint nichts zu nützen. Die seichte Warnung der Wissenschaftler, deren Messungen, Hochrechnungen und Modellsimulationen usw. und die der ökologisch bewussten Menschen und neuerdings auch die Apelle der Kirchen und Ethikleute, schaffen es nicht, diese Destruktion zu stoppen.
 
Das Problem lässt sich nicht wirklich durch weitere Aufklärung und wiederkehrende Überzeugungsarbeit bewältigen und auch nicht autoritär per Dekret. Diese Vorgehensweise würde, wenn überhaupt etwas, nur die Widerstände und Konflikte verschärfen, Vermeidungsverhalten aktivieren wie Fake News und Schuldgefühle individueller und kollektiver Art bewirken. Dies wäre auf keinen Fall hilfreich. Im Gegenteil, ein solcher Druck würde zur Rechtfertigung für o. a. Passivität mit dem Argument dienen, es sich doch nicht leicht zu machen, wir sind doch in großer Besorgnis.

Jeder einzelne Mensch muss sein Bewusstsein vertiefen / erweitern. Wie das geht, habe ich in den anderen Aufsätzen mehrfach beschrieben. Eine Mehrheit der Menschheit müsste sich dieses Bewusstsein „aneignen“, nur dann würde das Bewusstsein der gesamten Menschheit in die richtige Richtung kippen - ein Quantensprung ist notwendig. Leider bieten unsere Geisteswissenschaften dazu keinerlei Hilfen an – sie sind nicht in deren Besitz. Wir müssen auf die „alten Weisen“ zurückgreifen.

Es sei im Folgenden skizziert, wie man so was bewerkstelligen könnte:

a) Es ist höchste Zeit, dass wir uns von dem entidentifizieren, was wir als unser bisheriges Ich betrachten. Damit lösen wir uns auch von unserer kollektiven Identifikation (Nation u. a. gesellschaftlichen Gruppierungen und anderen einseitigen Interessenverbänden) – die Egoismen entfallen und wir können wahrhaftig global und aus Liebe (ich meine nicht die Liebe aus ethisch / moralischen Motivation heraus, die mit gutem Willen zu bewerkstellig wäre) heraus handeln. Wir sehen uns in der Verantwortung uns selbst und dem Andern, dem „Rest“ der Welt gegenüber. Wir erkennen, dass wir vom Anderen nicht getrennt sind. Wir sehen in allem Alles, auch uns, nicht nur von Mensch zu Mensch. Was ich hiermit favorisiere, hat gar nichts mit Esoterik, Mystik und Theologie zu tun, es handelt sich hier um einen ganz realistischen Prozess – nicht um Spiritismus, aber um ein Spiritualität. Sie ist als ein Teilgebiet der Philosophie / Psychologie anzusehen, hat dort jedoch nur einen Nischenplatz. Deshalb muss bei der Suche nach Lösungen über den, was bisher als wissenschaftlich definierten Kontext angesehen wird, hinausgegangen werden.
Wir müssen erkennen, dass unser Denken ein wunderbares Werkzeug ist, das wir in vielen Situationen sehr effektiv einsetzten können. Die Wissenschaftler können mit Hilfe dieses Instrumentes durch Messung, Analyse, Vergleich und Schlussfolgerung die o. a. Gefahren erkennen. Der Mensch ist jedoch in seiner Essenz nicht dieses Werkzeug. Leider wird dies seit 400 Jahren mit René Descartes meist gleichgesetzt.
Damals hatte die Überbetonung der individuellen Vernunft geschichtsphilosophisch als Antithese zum Diktat von Wahrheit durch die Kirche ihre volle Berechtigung.  

b) Dazu ist es nötig, dass wir lernen, gegenwärtig zu sein, zu leben im Hier und Jetzt – wohlgemerkt nicht zu wissen, dass gegenwärtig Sein wichtig sei, wir müssen es in uns realisieren. Nur dann stehen wir uns selbst nicht im Weg. Wenn wir in unserer persönlichen Entwicklung weitergehen wollen und wenn wir Angelegenheiten solchen Ausmaßes noch rechtzeitig regeln wollen, so ist dies m. M. der einzig effektive Weg. Dieses Vorgehen stellt tatsächlich ein Allheilmittel dar, das nicht gekauft, nicht delegiert und nicht verordnet sondern nur von jedem selbst unter bestimmten Bedingungen installiert werden kann. Und zwar nicht nur einmalig, sondern kontinuierlich – ein sehr hoher Anspruch. Anleitung von Außen kann dabei jedoch sehr hilfreich sein.

c) Da Denken eine Bewegung zwischen Vergangenheit und Zukunft ist, eine Bewegung auf der Dimension Zeit – siehe meine früheren Beiträge – kann über Denken niemals eine vollkommende Gegenwärtigkeit erlangt werden. Wir dürfen zwar Denken als ein sehr wichtiges Werkzeug betrachten, das uns in unserem Alltag und Beruf sehr behilflich ist, aber wir sind dieses Denken und die von ihm zusammengezimmerten Produkte nicht. Wenn wir die Dimension Zeit verlassen, denn Zukunft und Vergangenheit sind zunächst rein mentale Projektionen und keine Tatsachen, dann bekommen wir Zugang zu einer neuen Qualität von Bewusstsein.

d) Wir sind in der Essenz reines Bewusstsein und dabei gibt es keine Begrenzungen weder individueller noch kollektiver Art. Zu diesem Bewusstsein sollte jeder von uns Zugang bekommen. Er muss es in sich wahrnehmen, es ist schon vorhanden. Wir sehen dabei durchaus die Vielfalt, jedoch in Verbindung mit Einheit und Ganzheit.

 

Altshausen, 01. Juli 2017
Oswald Horn