Formdauer



Erhaltung oder Auflösung? Zu welchem Zeitpunkt? Was ist bleibend?


Alle Formen, egal welchen Aggregatszustandes, haben das Bestreben, ihre Existenz zu erhalten. Sie unterliegen gleichsam einem „Erhaltungsprogramm“ und sind permanent einem Absicherungsmodus unterworfen. Sie unterscheiden sich gewaltig hinsichtlich ihrer Lebensdauer. Ein Stein weist eine erheblich größere Lebenszeit auf als eine Seifenblase.
Je komplexer diese Systeme und je höher sie organisiert sind, desto ausgeprägter das Gebot des Überlebens. Dies gilt für einzelne Systeme wie für ganze Systemverbände wie bspw. für den Mensch, bestehend aus vielen Zellverbänden, sowie für ganze soziale Gemeinschaften / Kollektive.
Diese Betrachtung erscheint zunächst trivial. Vom sog. Feind grenzt man sich zugunsten eigener Interessen bzw. den Bedürfnissen der Lebensgesellschaft ab oder er wird gar eliminiert. Die Geschichte, auf die ich weiter unten eingehen werde, zeigt dafür zahlreiche Beispiele.
Sie zeigt aber auch, dass sich diese Sicherungsabsicht nur für eine relativ kurze Zeitspanne realisieren lässt.
Die Langzeitauswirkungen lassen erkennen, dass sich im Sinne der ursprünglichen Absicht letztlich nichts verändert hat und auch nichts sich über einen längere zeitliche Distanz erhalten lässt. Nach dem Willen einer Reihe der Hauptakteure sollte es stets ein 1000jähriges Reisch sein – in China, Indien, Ägypten, Persien, Griechenland mit Alexander dem Großen, Rom, Inkas, Khmer im heutigen Kambodscha und nicht zuletzt auch in Deutschland mit dem 3. Reich. Manche Herrschaften waren langlebig und manche sehr kurzlebig.
Im Vorfeld, noch bevor der Widerstand gegen das Äußere deutlich spürbar ist, ist zu erkennen, in welche Richtung die „wahre“ Bewegung geht. Mit „wahr“ meine ich, situationsspezifisch allen dienlich sein, mit allen, meine ich auch sich selbst. Da Jeder und jede Gruppierung in erster Linie an der eigenen Existenzerhaltung fest hält, gibt es nur Abgrenzung oder Eliminierung, vordergründig betrachtet nur Sieger und Verlierer als Lösungsmittel.
Eine Lösung durch Integration ist nicht möglich, solange man an der eigenen Identität festhält. Die bekannte Bibelaussage, liebe den Nächsten wie dich selbst, lässt sich, selbst wenn gewollt, nicht realisieren. Deshalb muss ernsthaft in Frage gestellt werden, ob dieses Festhalten an der eigenen Identität, sei es individuell oder kollektiv, was für viele so selbstverständlich ist, ganzheitlich gesehen sinnvoll ist! Mir geht es hierbei nicht um eine Ethik oder Moral, die menschliches Auskommen gewährleisten soll, sondern um eine faktenorientiere Betrachtung, die das Ganze und ihre Teile berücksichtigt. Nur mit einem tieferen Bewusstsein kann wahrhafte Integration als der Weg der Lösung eingeschlagen werden. Ich habe bis jetzt exemplarisch den Mensch und die jeweiligen sozialen Gruppierungen herausgegriffen. Dies gilt nach meinem Verständnis für alle Existenzen sowohl auf der physikalischen und biologischen Ebene, im Pflanzen- und im Tierbereich.
Wir müssten das Identifikationsobjekt aufgeben. Wenn wir dazu nicht bereit sind, wird es weiterhin innere und äußere Konflikte mit Leugnungen geben. Es lässt sich beobachten, dass diese Auseinandersetzungen immer heftiger, hinterhältiger, subtiler und unberechenbarer werden. Längerfristiger betrachtet, wie oben schon angedeutet, zerstören wir uns insgesamt und unsere Erde. Am Ende sind alle Verlierer.
Der interne psychische so wie der externe Krieg, der durch Gier nach Profit, nach Ansehen, nach Überlegenheit durch Bildung, nach brutaler Macht usw. gekennzeichnet ist, wird über Aufrechterhaltung eines bisherigen Status, über Gewohnheiten und dadurch Sicherheit bewirkt (s. a. m. Aufsatz über die Zellprogrammierung). Es ist allgemein bekannt, dass diese Auseinandersetzungen im System, besonders im menschlichen, Spannungen, differenzierter betrachtet, Spannungs- und Ladungsunterschiede und damit Spaltungen produziert. Diese Spaltungen sind die Wurzel von Veränderung, Zerfall, Auflösung, Krankheit, Kriminalität und Tod. Im Grunde genommen sind es ganz gesetzmäßige Wandlungsprozesse und dadurch naturgebunden. Aurobindo (1914 – 1920) spricht von der „Grundströmung des Lebens“. Sie kümmert sich nicht nach einer vom Menschen gemachten Ethik oder Moral, ihr einziger kategorischer Imperativ ist der Imperativ der Natur selbst, die jedes Wesen zwingt, sein Leben so zu bejahen und entsprechend seiner subjektiven Möglichkeiten, die es gilt ganz auszuschöpfen, in Anbetracht der Optionen, die der jeweilige Kontext zulässt. Es wird gleichsam der Dynamik bestehend aus evolutionären und involutionären Tendenzen gegengesteuert, mit andern Worten, dem gesetzmäßigen energetischen Prozess der Formgestaltung und Formauflösung wird mit einem Nein, mit Widersand begegnet!
Es ist bekannt - in anderen Zusammenhängen habe ich in meinen Aufsätzen ausgeführt - dass auf der individuellen Ebene diese Spaltungen und Ladungsgefälle oft zu Hemmungen im aggressiven Antriebserleben führen und schließlich in psychosomatischen Erkrankungen, psychiatrischen Beschwerden und Depressionen münden und damit einen Aufenthalt in der Psychiatrie erforderlich machen oder bei unkontrollierten aggressiven Impulsen der Betreffende wegen gewalttätigem Handeln im Gefängnis landet. Eine scheinbar dritte Varianten - und die letzten Jahrzehnte zunehmend - stellt die Flucht in die Sucht dar durch übermäßigen Konsum von Alkohol, Nikotin, Drogen, Psychopharmaka, Süßigkeiten, Spielkarten, aber auch Fett-, Mager- und Kaufsucht zählen dazu. Ein Suchtverhalten hat im Allgemeinen die Funktion, Unzufriedenheit und Missempfindung wie Anspannung und innere Leere, also Unangenehmes zu vermeiden bzw. erträglicher zu machen. Dabei wird gleichsam der Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben. Eine echte Problemlösung wird dadurch eher unmöglich gemacht. Diese Variante stellt nur eine Zwischenstufe zur ersten dar. Sie endet wie die erste in frühzeitiger Krankheit und letztlich mit Zerstörung. Wenn die jeweilige Daseinsform mit weniger Gewalt und Zerstörung des Gesamten existieren „will“, dann muss sie rechtzeitig bereit sein, sich aufzulösen, d. h. von ihrer bis dahin bestehenden Form loslassen. Es wäre dann eine fließende, fast reibungslose Bewegung. Ständig würden sich bestehende Formen auflösen und neue würden geboren werden. Ein Organismus, sei es Tier oder Mensch besteht aus einer Vielzahl von Subeinheiten, Kleinstlebewesen wie bspw. Bakterien im Darm, die dort mit ihm eine lebensnotwendige Symbiose bilden. Diese Bündnisse blicken auf eine Entwicklung über viele Millionen Jahre zurück.
Ich bezeichne das zu lange Festhalten an Formen und Identitäten als die wahre Erbsünde des Universums. Sünde heißt Spaltung und so werden überall unnötig große Spaltungen geschaffen. Das Zusammenkommen wird schwieriger und dauert länger als eigentlich erforderlich wäre. "Es kommt sowieso, wie es kommen muss!" Diese Aussage stimmt und stimmt doch nicht. Wenn wir bremsen oder puschen, wecken wir den "Flaschengeist", denn Materie ist nach Aurobindo schlafender Geist, er ist Energie und im Frieden.
Ein Universelles Gesetzt der Ganzheit besagt: „Was zusammengekommen ist, geht auch wieder auseinander und umgekehrt!“ Grundsätzlich, damit der Prozess der Involution und Evolution greifen kann, sind Bewegungen erforderlich und die Ereignisse im Universum benötigen Spannungsunterschiede - z. B. Blitz – damit sich Neues kreieren kann. Auf der absoluten Ebene findet weder Bewegung noch Spannung statt, es herrscht unendliche Stille. Nur auf anderen Realitätsebenen ist Bewegung zur Bewusstseinsbildung notwendig. Nach S. Sabetti besteht das Universum aus Multirealitätsebenen.
Im Zeitraum von 7 Jahren werden anscheinend alle Zellen des menschlichen Körpers ersetzt. Im Bereich der Technik hieß vor 40 Jahren, dass sich alle 7 Jahre die Erfindungen verdoppeln würden. Wäre interessant zu wissen, wie es heute aussieht. Der Organismus ist damit letztlich ein anderer geworden. Der Prozess des Auflösens und Erneuerns auf der Zellebene ist der Garant, dass der Zellverband, die größere Einheit, beim Menschen z. B. der Körper weiter existieren kann. Wenn dieser Geburts- und Sterbeprozess auf der Zellebene nicht rechtzeitig und reibungslos geschieht, entstehen Krankheiten wie Krebs, Gicht, Arterienverkalkung, Rheuma, frühzeitige Arthritis usw. Die ständige Zellerneuerung verläuft nach diesem Muster. Im organischen Bereich lösen sich Zellen auf und neue entstehen. Im Tier- und Pflanzenbereich ist ein ständiges Fressen und Gefressen werden zu beobachten. Der Mensch stellt da keine Ausnahme dar. Er machte es oft subtiler und delegiert. Revier- und Platzgehabe innerhalb einer Gattung und über die Rasse hinweg, die einen leben von den anderen. In der Pflanzenwelt ist zu beobachten, dass der eine Baum im Schatten des anderen mangels Sonnenschein eingeht und dann dem Überlegenen sozusagen auch noch als Nahrung dient.
Es scheint ein universelles Gesetzt zu sein, dass sich die eine Form zu Gunsten einer anderen, neuen, die wiederum dem Ganzen dienlicher ist, auflöst. Die neue Form befindet sich meist auf einer höheren Organisationsstufe. Die alte Form hat damit jeweils ausgedient bzw. deren Bestandteile sind wiederum Bausteine für neue Einheiten. Die Subsysteme werden entweder mit anderer Funktion eingesetzt oder werden zerstört, beide Vorgehensweisen würde ich der Spiritualität von "oben" zuordnen, oder sie verändern / mutieren sich zu einer qualitativ anderen Substanz, die für`s übergeordnete System gesund oder auch krankhaft sein kann - was oft verkannt wird, was als eine Spiritualität von "unten" ansehen werden kann. Eine Qualitäts- / Systemveränderung ist also von oben als auch von unten her möglich.

Betrachten wir ein Bienen- oder Ameisenvolk, die Einzelne dient dem Ganzen, in dem Fall dem Volk u. U. mit ihrem Leben. Die komplexere und differenziertere Ebene, die höhere, wird aufrechterhalten, selbst wenn die Untereinheit dadurch zerstört wird. Dies war früher als die Menschen noch in Rudel, Sippen und Stämmen gelebt haben nicht anders. Ein Ausgestoßener war damals so wenig lebensfähig wie eine einzelne Biene außerhalb ihres Volkes. Der Lebensgarant ist die höhere Einheit, die es gilt zu errichten und zu erhalten.
Der sog. aufgeklärte Mensch ist sich erst mal selbst wichtig, er ist überzeugt, dass er das, womit er sich identifiziert, für seine Essenz hält! Er muss es schützen und schauen, dass es möglichst lange lebt. Der Egoismus beginnt damit, die Nächstenliebe wird bestenfalls als 2.rangig betrachtet. Oberste Maxime ist, das Eigene, die eigene Nation usw. muss unbedingt Vorrang haben. Die Orientierung fast aller heutiger Volkswirtschaften an einem steigenden Sozialprodukte, das langfristig stets zur Ausbeutung anderer Volkswirtschaften und zur extremen Ausbeutung der Ressourcen der Erde führt, zeigt diese Machenschaften. Für unsere Nachkommen bleibt kaum noch etwas außer Atommüll mit Verfallzeiten von über einer Million Jahren. Wenn wir wirklich bewusst sein würden, würden wir nur soviel Atommüll produzieren, wie wir neutralisieren und damit abbauen können – das können wir leider noch nicht, also dürften wir noch keine Energie aus Atomspaltung produzieren. Die gesamte Zwischenlagerung stellt ein großes Risiko dar und ist eine Mogelpackung nach der trivialen Vogel-Strauß-Taktik. Die ganze Armut und Ungerechtigkeit in den Drittländern wird heute noch, besonders in Afrika, früher durch den Kolonialstatus und heute durch diese ökonomische Grundeinstellung der reicheren Volkswirtschaften / Industriestaaten und der Korruption auf beiden Seiten bewirkt.
Nur für Andere da zu sein, altruistisch zu sein, also bedingungslos anderen zu helfen, wäre genau so ein einseitiges Handeln und würde eine „Schieflage“ darstellen bzw. ebenfalls zu einer Verzögerung des evolutionären Wandels beitragen. Meist versteckt sich hinter einem angeblichen Altruismus, besonders in religiösen Kreisen, eben doch das Verlangen, dann gottgefälliger zu sein und somit spätestens im jenseits einen Vorteil zu erwirken, z. B. nicht in der Hölle zu landen oder gar im Himmel einen bessern Platz zu bekommen. Was für eine kindische Auffassung und was für eine Lüge, da es ja nicht wirklich selbstloses Handeln ist. Dies ist außerdem ein Widerspruch in sich, warum sollte ein allwissender und allmächtiger Gott zu etwas gebeten werden sollen? Und wo soll er sein - er wird von diesen Menschen nach außen verlagert – eine Dualität wird damit eingebaut. Ein hüben und drüben und die eine Region ist dann gottlos!?
Der Mensch, dessen Gehirn sich im Laufe der gesamten Evolution zu mehr Volumen / Gewicht und größer Ausdifferenzierung entwickelt hat, ist meist zu mehr Fertigkeiten, Fähigkeiten und Leistungen in der Lage. Durch die Möglichkeit, sich zu erinnern, Daten abzuspeichern, sie wieder abrufen, differenzieren, vergleichen, schlussfolgern und bewerten zu können und auch für die Zukunft zu planen und in sie zu projizieren, hat der Mensch nun ein Werkzeug zur Verfügung, mit dem er ausgesprochen effektive Identifikationsleistungen vollbringen kann. Er identifiziert sich mit seinem Körper, mit seiner Psyche, mit seiner Intelligenz, mit seiner Berufsrolle, mit seinem Status und mit seinem jeweiligen Selbstbild, bspw. erfolgreich und souverän zu sein usw., aber auch mit seiner Volkszugehörigkeit und Nationalität. Und all das, mit dem er sich identifiziert hat, muss er um fast jeden Preis aufrechterhalten. Er ist gleichsam der Diener / Sklave seiner Identifikationsobjekte. Er ist von daher ständig am kämpfen, denn er verliert seine Existenz mit der Verlust des Identifikationsobjektes. Das gleiche Prozessmuster spielt sich auf der Ebene des Kollektivs ab.
Die Frage ist, ob das Identifikationsobjekt seine wahre Existenz und damit sein Wesen sein kann! Wenn ich Bezug zu meinem wahren Wesen habe, muss ich mich dann noch mit irgendetwas identifizieren / gleichsetzen? Handelt es sich, wenn Identifikation notwendig ist, um einen Ersatz für die fehlende Verbindung zum wahren Wesen?
Mit dem Wissen, dass die Bewusstseinsveränderung nur von „unten“, also vom einzelnen Menschen ausgehen kann und nicht von „oben“, den Herrschenden, der Regierung usw. verordnet werden kann, gehe ich im weiteren doch auf das Kollektiv ein. Das Bewusstsein kann durchaus von oben durch bestimmte Rahmenbedingungen gefördert werden. Die gesellschaftlichen Ereignisse zeigen sehr deutlich das Niveau des Einzelnen, wie sich eine Kultur absichert und ihre Lebensdauer möglichst lange versucht aufrechtzuerhalten. Alle mir bekannten Stammeskulturen haben in frühen Zeiten, aber auch die Hochkulturen, Religionen, Rituale, Beschwörungen und sonstige Regeln, zur scheinbaren Existenzerhaltung kreiert. Ihr Glaube war, wenn ihren Göttern gedient und entsprechend geopfert worden ist, dass sie dann der einen oder anderen Katastrophe entkommen können. Abraham sollte seinen Sohn opfern, um Gott gefällig zu sein. Auch bei den indigenen Völkern gab es vielfältige Menschopfer. Oft Kinder, junge Mädchen, oft solche aus Adelsschichten, denn je bedeutsamer das Opfer, um so größer sollte die Wirkung sein, mussten sterben, um die Götter umzustimmen, damit sie wieder regnen lassen usw. Die Azteken rissen den Menschen die Herzen aus dem Leib, um bei Sonnenfinsternis die Sonne danach wieder zum Scheinen zu bringen, um Dürrekatastrophen zu beenden usw. Auch bei keltischen und germanischen Völkern hat es Menschenopfer gegeben, die erbracht worden sind, um etwas zu erreichen – zu überleben und möglichst lange, die betreffende Kultur zu bewahren.
Mit zunehmend größeren Populationen, die dort entstanden sind, wo es - zumindest zur Blütezeit - sehr fruchtbar war, gab es ebenfalls starke Affinitäten, die jeweilige Kultur zusammenzuhalten. Menschen, die dazu die entsprechenden Eigenschaften und Fähigkeiten aufwiesen, wurden als Führer / Herrscher eingesetzt. Wenn sie den Anforderungen nicht entsprochen haben, wurden sie abgesetzt und zu bestimmten Epochen sogar getötet. Sie wurden von der Gemeinschaft mit Macht ausgestattet, um dem Volk effektiver dienen zu können. In späteren Epochen missbrauchten sie diese Vorrechte, um ihre Macht und ihr Leben behalten zu können. Ja, sie machten sich selber bzw. wurden von bestimmten Untergruppierungen dazu angehalten, sich zu gottgleichen Herrscher zu machen, die dann sogar noch aus dem Totenreich für ihr Volk sorgen können. Sie wurden unangreifbar, anstatt dem Volk zu dienen, hatte nun das Volk ihnen und ihren Helfershelfern zu dienen. Als Hilfspersonal fungierten oft die Priester und ihre Gefolgsleute. Im Bienenvolk, wenn die Königin ausgedient hat, wird sie von ihrem Volk eliminiert, um einer neuen Königin Platz zu machen. Eine sehr soziale, dem Erhalt des Volkes dienende Einrichtung.
Das Bestrebungen, sich gegenüber Eindringlingen abzuschotten oder gar zur Wehr zu setzten, ist seit Jahrtausenden zu beobachten. Solche Interessengemeinschaften hatten teilweise ganz strenge und rigide Regeln. Die Römer waren sehr darauf bedacht, Ihren Lebensstil, ihre Errungenschaften und ihre ganz Kultur zu schützen, zu erhalten und anderen aufzuzwingen. Die Zünfte im Mittelalter im europäischen Raum, die sich zu den heutigen Handwerkskammern mutiert haben und die Kasten in den asiatischen Ländern mit 1000jähriger Tradition sind solche Gruppierungen, die Schutz und gleichzeitig Gefängnis sein können. Auch Zollgrenzen und Handelsabkommen haben für die jeweilige Volksgruppe ähnliche Funktion. Aber auch die politischen Gruppierungen würde ich zu solchen Gemeinschaften rechnen. All diese Gruppierungen dienten letztlich der eigenen Existenzsicherung und damit einer möglichst langen Existenzerhaltung. Damit wird implizit auch eine gewisse Langlebigkeit erhofft. Die Problematik, die die Europäer mit den Asylanten haben, ist für die oben erwähnte Abgrenzung ein typisches Beispiel aus der Neuzeit.
Der Klimawandel wird bekannter maßen von natürlichen Faktoren und von Menschenhand geschaffen, zum großen Teil sogar von den wohlhabenderen Ländern. Er bewirkt neben Extremwetterereignissen den Untergang von tiefliegendem Land - ganze Inseln verschwinden - und gewaltige Dürregebiete. Im Zusammenhang mit den gängigen Handelspraktiken, die oft durch sehr einseitige Verträge abgesichert sind, durch Korruption auf allen Seiten und einer sehr destruktiver Politik verbunden mit Kriege, Bürgerkriege, Stellvertreterkriege u. ä. entsteht sehr große Armut und Katastrophengebiete. Diese führt zu Völkerwanderungen, Flüchtlingslagern und schließlich zu Asylanten, die dann wiederum bei den reicheren Länder um Aufenthalt anfragen, bzw. illegal eindringen. Und der Umgang der meisten betroffenen Länder mit ihnen ist die Fortsetzung des oben beschriebenen egoistischen Musters.
Zum Aspekt der Beständigkeit einer bestimmten Form, im vorliegenden Fall eines bestimmten Staatsgebildes nochmals ein historischer Exkurs, der erkennen lässt, dass noch so scheinbar stabile Kulturen dem Untergang geweiht sind. Die Römer verfuhren mit dem Wunsch nordischer Volks- und Stammesgruppierungen um Siedlungsgebiete mit Abgrenzung, zunächst mit Zurückweisung, dann immer wieder mit kriegerischen Auseinandersetzungen und letztlich dann doch, wenn auch unter großem Druck, mit Aufnahme dieser Menschen. Die Geschichte offenbart auch, die immer wieder zu beobachtende Umkehrung, dass frühere Bittsteller zu den Begehrten wurden und umgekehrt. Die Hochkultur löst sich auf, wird gleichsam in den Norden transportiert und es entsteht ein Kulturraum, der von den römischen Nachfolgern mit Neid beäugt wird. 800 Jahre später mit Karl dem Großen residierte dann von Aachen aus ein Kaiser auch über Italien. Analog passiert es etwas später zwischen dem westlichen Europa und den sklavischen Völker und wieder etwas später zwischen Europa und den Vereinigen Staaten von Amerika. Natürlich sind diese Veränderungen mit enormem technischen und zum Teil auch mit humanem Fortschritt wie Einführung der Menschenrecht und Auflösung des Sklavenhalterei verbunden. Es gibt dazu viele Parallelen. In diesem Zusammenhang möchte ich nicht die vielfältigen Grausamkeiten mit Extremleiden und Tod für ganz viele Betroffenen auflisten.

Aber lasst uns der tiefgreifenden Konsequenzen gedenken. Auf der sozialen Ebene zeigen dies die aktuellen sozialen / politischen Geschehnisse in Amerika mit D. Trump (Fake-News), in Frankreich mit E. Macron (von einer Tsunamibewegung wird derzeit berichte) und in England mit Th. May im Zusammenhang mit Brexit und der Wahlniederlage. Es handelt sich hierbei um die Auswirkung / Konsequenz von abrupten Prozessen, die bis dahin schon lange im Vorfeld sichtbar, jedoch unterdrückter Veränderungsimpulse. Es sind diskontinuierliche, impulsive, durch Überladung gekennzeichnet und für die meisten, überraschende Veränderungen, die zwar schon längst notwendig gewesen wären, aber durch ein zu langes Festhalten / Zurückhalten, eine sehr destruktive Qualität bekommen haben. Jedes Erdbeben durch die Erdplattenverschiebung und jeder Vulkanausbruch folgen den gleichen Gesetzen.

Betrachten wir gemeinsam den Weg eines Wasserpartikels in der Hoffnung über ihn, für den menschlichen Weg ein tieferes Verständnis zu gewinnen.
Durch Sonneneinstrahlung in der Karibik verdunstet aus dem Meer Wasser zu Dampf. Die einzelnen Dampfbläschen schließen sich zu Verbänden zusammen und bilden Wolken über der Karibik. Durch die erwärmte und damit leichtere Luftschicht findet ein Auftrieb statt. Die Bläschen gelangen in höhere Luftschichten, ziehen weiter und kristallisieren zu Graupeln. Wasser wird zu Eis. Durch den Wind werden die Wolken ostwärts über den Atlantik nach Europa und schließlich nach Süddeutschland getragen. Die inzwischen wieder getauten Kristalle kommen mit dem sommerlichen Klima auf der Schwäbischen Alp in Kontakt. Die Wolken lösen sich auf - es regnet an den Südhängen der Alp auf die dortigen Schafweiden mit lichtem Kiefernbestand, hin und da durchsetzt mit Wachholderbüschen.
Wir betrachten einen Regentropfen, der noch mit seinem ovalen, spitzen Ende an einer Kiefernadel hängt. Die untergehende Sonne spielgelt sich in ihm, wir sehen in diesem konvexen Spiegel unser eigenes Gesicht. Er ist perfekter als ein geschliffener Bergkristall, eine Einheit in der Vielheit, die ebenfalls perfekt ist – die Schafe, die friedlich das halbverdorrte Gras fressen, behütet von Hund und einer Schäferin, umgeben von einer wunderschönen, nach dem Regen wohlduftende Landschaft. Die Stille ist ansteckend. Wir sind verbunden mit allem, spüren Frieden und eine tiefe Freude überkommt uns. Wir wollen nichts und doch erhalten wir alles! Die Zeit scheint still zu stehen – es gibt sie nicht, denn durch aufhören zu denken, haben wir die Dimension Zeit verlassen. Der Wassertropfen fällt zu Boden ins Gras und verschwindet. Ein Teil von ihm wird über die Graswurzel vom durstigen Gras aufgenommen. Er dient der Pflanze als Nahrung und gelangt als Saft über die Rinde bis zu den Blättern. Über Photosynthese wird Blattgrün produziert – die Schafe erfreuen sich an den Gräsern. Der Untergrund ist sehr lehmig mit viel Kalkstein durchsetzt. Der Resttropfen vereinigt sich mit andern Tropfen, versickert und fließt dann zusammen mit ihnen über ein unterirdisches Höhlensystem. Sie nehmen zunehmend Minderalien auf, besonders Kalk und treten als kleines Rinnsal weiter unten im Tal zu Tage. Der Bach wird breiter durch weitere kleinere Rinnsale, die von beiden Seiten in ihn fließen. Moos und Weiden gedeihen an seinen Ufern, Frösche schnappen nach Schnacken, sie und anderes Getier stillen ihren Durst an ihm. Auf dem Bachgrund und an den Ufern wachsen eine Vielzahl von Wasserpflanzen mit sehr unterschiedlicher Blütenbracht. Der Bach schlängelt sich durch eine Landschaft, die zunehmend fruchtbarer wird, sogar Fische sind erkennbar. Getreidefelder grenzen an ihn und mehr und mehr nimmt die menschliche Besiedlung zu. Schließich mündet der Bach in die Donau, in ein kleines Flüsschen, das über einige 1000 km zu einem großen Strom anschwillt, sein Wasser wird immer trüber, bekommt stellenweise eine künstliche Farbe, je nach dem durch welches Städtchen er gerade fließt. Und schließlich mündet die Donau über ein weitverzweigtes Delta ins Schwarze Meer. Sie bringt ganz fruchtbaren Schlamm mit sich, der den Anliegern in Deltanähe gute Ernte garantiert. Fischer leben vom Fischfang und die anliegenden Ortschaften bewässern mit dem Wasser ihre Ländereinen. Aber ein Teil verdunstet wiederum und ein ähnlicher Kreislauf beginnt von vorne.

Was ist die Essenz des doch relativ kurzlebenden Regentropfens?
Das ergonomisch wohlgeformte Design, die elastische, wie durch eine Haut zusammengehaltene Gestalt des Tropfens bedingt durch Kohäsions- und Adhäsionskräfte, der Spiegeleffekt, der durch die doch sehr glatte Oberfläche entsteht, die Konsistenz und Qualität seiner Masse, die Nässe usw., ist das seine Essenz? Er hat eine gewisse Individualität, geben wir sie ihm, die durch Zusammenhangskräfte, mit denen er seine Form hält und einer bestimmten Oberflächenspannungen, manifest wird. Gäbe es diese Kräfte, die ihn zusammenhalten und die entsprechende Oberflächenbeschaffenheit, nicht, hätte es ihn mit dem ersten Kontakt auf die Kiefernadel zerbröselt. Hätte er zu viel davon, wäre er an der Kiefernadel nicht haften geblieben. Seine Beschaffenheit macht es ihm möglich, Mineralien aufzunehmen und weiter zu transportieren, von Pflanzenwurzeln aufgenommen zu werden u.v.m. Hätte er nun einen Denkapparat vergleichbar dem des Menschen, würde er sich zusätzlich mit einer oder mehreren seiner Qualitäten identifizieren und über den Vergleich mit anderen Tropfen konkurrieren. Er würde ungewollt Vieles verzögern, er würde Warteschleifen durchlaufen, Umwege machen, Standbypausen erleben u.v.m. Und dennoch würde er an seinem Schicksal letztlich nichts ändern, außer dass er so Karma produzieren und viele Wiederholungen durchlaufen würde. Eitelkeit oder Minderwertigkeit würden so produziert werden. Konflikte und Spaltungen entstünden – ein externer Konflikt. Er würde seine eigentliche „Standzeit“ in zweifacher Hinsicht ungewollt verkürzen, nämlich durch den eben beschriebenen externen Konflikt und durch einen internen. Durch die Absicht, die Form möglichst erhalten zu wollen, durch den Ausschluss des Todes, was ja nicht möglich ist, er es aber dennoch will, wird dieses Thema Sterben / Tod für ihn ein Dauerbrenner. Dieser permanente „thematische“ Druck, der durch das Andauern nicht mehr spürbar wird, also latent geworden ist, programmiert er seine kleineren, biochemischen Bausteine zusätzlich auf Destruktion und damit auf Tod. Er und sie können gleichsam nicht mehr in Freiheit sein! Er und die Subteilchen verlieren dadurch die ihnen von der Natur aus zugedachte Lebensdauer und Lebensfunktion, so wird der Gang der Evolution gestört. All die Qualitäten und Funktionen die Beiden im Zusammenhang mit den äußeren Einflüssen beschieden sind, würden nicht in die Welt gebracht werden können. Sie würden reduziert und zerstört werden oder würden bracht liegen bleiben. Wenn wir den Blickwinkel erweitern, erkennen wir, dass sich sein Aggregatszustand, seine Substanz mehrfach verändert hat. Als Außenstehende können wir relativ leicht erkennen, was die Essenz des Tropfens ist. Seine Form ändert sich laufend, er geht Verbindungen ein mit vielen Wasserpartikel und wird zum Meer, er verdunstet und wird zu Dampf und schließlich zu Wolken, er gefriert bei niedrigen Temperaturen zu Eis, bildet durch Auftauen bei höheren Temperaturen Tropfen, mutiert zum Saft in Pflanzen, viele Tropfen angereichert mit Mineralien vermischen sich zu einen Rinnsal, dann zu einem Bach, zu einem Fluss und schließlich wieder zu einer riesigen Wassermasse zu Meer. Seine Essenz ist Wasser, das sich wandelnde, teilende, sich wieder auflösende und wieder verbindende Element Wasser! Dieses Element gibt sich all den multiplen Veränderungen und Transformationen hin und erfüllt so seine vielfältige Aufgaben, die nur aus einer größeren Perspektive zu erkennen sind. Der Mensch kann die Schönheit des Tropfens genießen und seine hervorragende Eigenschaften nutzen. Pflanzen können gedeihen, Tier und Mensch davon leben. Die Erfüllung dieser vielfältigen Funktionen ist der tiefere Sinn des Wassers.

Was ist nun die Essenz und der Sinn menschlichen Lebens? Würde der Wassertropfen als Detaileinheit, sein individuelles Süppchen kochen wollen, wie z. B. als Tropfen extra glänzen zu wollen, extra lange leben zu wollen, dann würde er seine eigentlichen Funktionen nur verzögert und beinträchtig erfüllen können. Erledigen würde er diese Aufgaben dennoch müssen, ob er will oder nicht. Was ist der Sinn des menschlichen Lebens? Wenn der Wassertropfen sich nur als Tropfen betrachtet, kann es seine Essenz Wasser und die vielfältigen Funktionen nicht erkennen. Um sie zu erkennen, muss er über seine momentane Form und dessen Inhalt hinausgehen. Seine Machenschaften, die durch falsche Identifikationen von ihm konstruiert sind, sein lassen. Im Sein sein bei vollständiger Präsenz, das heißt, vollständig, uneingeschränkte und anhaltende Aufmerksamkeit gewähren. So kann er seine Essenz und seinen Lebenssinn in Erfahrung bringen. Das kann kein anderer Mensch ihm abnehmen. Der Mensch, der solch einen herrlichen Verstand als Werkszeug hat und damit sogar den Sinn und die Essenz des Wassertropfens in Erfahrung bringen kann, kann seine eigene Essenz nur in Erfahrung bringen, wenn er seine Identifikation mit der momentanen Form, dem Körper, dem Denkapparat, seinem Selbstbild, Status usw. aufgibt, anstatt den Verstand für diese Identifikationen zu missbrauchen. Sie, die Identifikationen müssen aufgelöst, wenn nicht nachhaltig, dann immer wieder erneut aufgelöst werden, um das wahre Wesen zu erkennen und realisieren zu können. Dieser Auflösungsprozess kommt einem Sterbeprozess gleich, bisherige Vorstellung von sich müssen als irrelevant erkannt und damit sterben, nicht nur als mentaler Aspekt, sondern auch ganz real muss ich zu tiefst bereit sein, auch meinen Körper sterben zu lassen, wenn seine Funktion erfüllt ist und es für ihn soweit ist. Der Regentropfen ist einmalig, jedoch nichts besonderes. Vergleichbar mit ihm, ist der Mensch auch nichts besonderes. Da gibt es dann kein Nein und damit auch keinen Widerstand mehr und somit auch keine Angst vor dem Tod. Die Essenz des Tropfens ist das Element Wasser. Was ist unsere Essenz, ebenfalls etwas, was über die verschiedenen Phasen gleichbleibend ist, was Ewiges und Unermessliches.
Du bist eingeladen, „Es“ herauszufinden!


Altshausen, 02. Juli 2017
Oswald Horn