PsychoEmoSomatik


Dynamische Stabilität – zum psychoemosomatischen Verständnis von Gesundheit

Theoretischer Bezugsrahmen

Es wird von einem ganzheitlichen Charakter der Beziehung zwischen Psyche, emotionaler Ebene und Körper ausgegangen, sowie es Grundlage vieler, besonders uralter Heilsysteme, ist. So z.B. lässt Platon Sokrates erzählen, dass man nicht die Symptome einer Krankheit heilen solle, sondern den ganzen Menschen, den Leib dürfe man nicht ohne die Seele heilen. Willigis Jäger (S. 158, 2000) meint in Anlehnung an C. G. Jung, Verlust der religiösen Einstellung führt zu Krankheit, wobei nicht eine bestimmte Konfession oder Kirche gemeint ist, sondern Probleme der spirituellen Sinnfindung bei Menschen über der Lebensmitte. Die Transpersonale Psychologie (z. B. Almaas) betont, dass es zur Heilung nur kommen könne, wenn der Mensch sich in seiner transpersonalen Identität erfahren hat.
In diesen Systemen sind Psyche, Emotionalität und Körper nur verschiedene Manifestationen ein und derselben Lebenskraft auf verschiedenen Ebenen.
Die Essenz des Lebens ist Ganzheit, und ihre Manifestation in der Form kann unendlich teilbar sein und doch in jedem Teil die Ganzheit bewahren. Dies ist nach S. Sabetti so, weil Ganzheit ein Prozess ist und kein Ding. Der Körper (Materie) ist in seiner stofflichen Struktur teilbar, obgleich sein Wesen (Geist) unteilbar ist. Körper und Bewusstsein sind nicht voneinander isoliert, sondern nur verschiedene Erscheinungsformen, die im Wesen ein und dasselbe sind.
Es handelt sich dabei um verschiedene Realitätsebenen mit ebenenspezifischen Gesetzen, die dem Prinzip der Ganzheit folgen.

Was ist Ganzheit?

Das Ganzheitskonzept geht davon aus, dass alles zusammenhängt, dass alles verbunden ist. Ganzheit ist mehr als die Summe der Einzelteile. Die Einzelteile stehen in Beziehung zur Ganzheit und umgekehrt.
Ganzheit ist ein Zustand der Vollständigkeit, in dem alle Teile zusammenpassen, d.h., dass wir auch die ungeliebten und angenehmen als Bestandteil des Ganzen annehmen müssen.
Ein Getrenntsein vom Ganzen gibt es in Wirklichkeit nicht. Trennung ist nur Ausdruck unseres beschränkten Bewusstseins.
Geringes Bewusstsein führt zu Trennung und höheres zu Ganzheit - simpel formuliert.
Das Universum kennt keine Konflikte, Problem, Gegensätze und Krankheiten. Wir erschaffen sozusagen unsere Probleme selbst, sie gibt es nur in unserem Geist. Die Polaritäten des Lebens sind einander ergänzende Prozesse.
Die Analyse der Einzelteile ist nur sinnvoll, wenn man die Beziehung zum Ganzen nicht aus den Augen verliert.

Die absolute Wirklichkeit ist der relativen übergeordnet, d.h. dass die Gesetzmäßigkeiten höherer Bewusstseinsebenen Vorrang haben gegenüber den darrunterliegenden Ebenen. Die Perspektive der absoluten Wirklichkeit kann nur der einnehmen, der die Absolutheit auch tatsächlich erfährt. Demnach können nur die tief Erleuchteten aus dieser Perspektive sehen und urteilen.
Mehr Ganzheit aufgrund der größeren Nähe zur absoluten Wahrheit bedeutet auch mehr Kraft.
Die relativen Wirklichkeiten mit ihren verschiedenen Bewusstseinsebenen unterscheiden sich nicht in ihrem Wesen, sondern nur in Form. Die Formen können wir beeinflussen, die aus diesem Wesen hervorgehen - insofern erschaffen wir unsere Existenz und unsere Probleme selbst. Keine Form entwickelt sich, wenn sie nicht gebraucht wird.
"Für den harmonischen Fluss von Lebensenergie muss auf jeder Energieebene Einheit existieren." S. Sabetti., E-K (S. 3 ). Die Gesetze auf den höheren Ebenen sind nicht linear, nicht dualistisch, nicht an Raum, Zeit oder Form gebunden, was sie wichtiger macht, da sie größeren Einfluss auf die Qualität der gesamten Energie haben.
Komponenten der Ganzheit lassen sich physikalisch als Wellen und Felder beschreiben. Materie ist nur der zeitliche Ausdruck von Feldinteraktionen.
Nach David Bohm bedeutet ganzheitliches Vorgehen das Todesurteil der klassischen Idee von der Analysierbarkeit der Welt in getrennt und unabhängige voneinander existierende Teile.
Die neuen Einsichten der Physik, z.B. die der Relativitätstheorie und Quantenphysik, aber auch Erkenntnisse aus chaostheoretischen Ansätzen, führten zu einer Wiederbelebung der Ganzheit in der Psychologie und Philosophie, was Sabetti schon 1985 ankündigte.
Ausgehend von den Betrachtungen von D. Hack Tuke, Charcot, Breuer. Freud und Reich repräsentiert aus lebensenergetischer Perspektive die Psyche den Seelen- und den mentalen Aspekt.
Auf der biologischen Ebene gilt für eine gesunde Existenz das Prinzip der Homöostase – es ist der Vorgang einer relativen Stabilisierung auf dynamische Weise auf eine Veränderung bzw. Störung hin.
Etwas Ähnliches gilt auch für die psychische Ebene. Zuviel Veränderung - also Instabilität - führt zu chaotischen Verhältnissen, zum psychischen Kollaps, was sehr ungesund ist. Zuviel Stabilität bedeutet Überordnung, zuviel Struktur, was zu Rigidität, Armut an freier Energie und wenig Kreativität führt, Verhärtung heißt und letztlich Stillstand bedeutet.
Wandel, Entwicklung und damit echtes Lernen erfordert ebenfalls eine relative Stabilität – auch W. Liebenthal macht 1978 darauf aufmerksam (S. 53, Gestalt und Ding). Evolution ist danach nur möglich, wenn nicht zuviel, aber auch nicht zu wenig Stabilität vorliegt. Die Über-Stabilität muss dann konfrontiert werden, d.h. erschüttert bzw. geschockt werden und bei zuviel Labilität ist eine Stabilisierung bzw. Zentrierung erforderlich, um gesunden Wandel zu ermöglichen.
Phylogenetisch betrachtet scheint beim (Gestalt-)Wandel die spontane Mutation erst nach ihrer Vervielfältigung relevant. Erst nach ihrer Vermehrung im Samen beginnt der Kampf ums Dasein, das Neue wird mächtiger und energiereicher und damit beginnt die Neuorganisation des Ganzen. Auf die Einheit Körper bezogen heißt dies Geduld, Aufladung und "Gnade", ob der spontane Impuls tatsächlich emergiert.
Die notwendige Konfrontation bei zuviel Stabilität kann von innen oder außen erfolgen, und sie kann beabsichtigt oder unabsichtlich geschehen; sie sollte jedoch bei größtmöglichem Bewusstsein erfolgen.
Eine beabsichtigte Einflussnahme von außen stellt z. B. eine therapeutische Intervention und damit einen niederdosierten Schock dar, der stets eine Stressreaktion auslöst. Das bis dahin überstabile System kommt ins Wanken, gerät sozusagen außer Kontrolle, und dadurch stellt sich bei ausreichender Bewusstheit eine neue Struktur auf einer höheren Bewusstseinsebene ein.

Effektive Therapie verläuft grundsätzlich nach diesem Prinzip, ob auf der Körper-, emotionalen oder geistigen Ebene. Die Chaostheorie postuliert weiterhin, dass bei der Erschütterung einer bestehenden Struktur/Einheit Energie frei wird, das heißt kreatives Potential entsteht. „Life Energy Therapie“ kann dies über ihre 30jährige Erfahrungen bestätigen.
Wir kennen diesen Effekt aus der Physik unter dem Begriff positive Entropie. Bei zunehmender Unordnung wird zunehmend Energie frei. Entropie meint als Naturgesetzt, dass aus Ordnung Unordnung wird und Negentropie (mittlerer Info.-Gehalt; negative Entropie) besagt, dass aus Unordnung Ordnung wird.
Dieses Prinzip ist nicht nur beim System Individuum, sondern auch bei größeren Systemen wiederzuentdecken (vgl. a. v. Weizäcker, C.F., 1988).

In Anlehnung an den französischen Physiologen Charles Richet und an die Ergebnisse der Stressforschung – hervorzuheben in diesem Zusammenhang sich die Arbeiten von Selye – stellt Sabetti fest, dass Streß und damit Instabilität in bestimmter Dosierung für die Homöostase notwendig ist (vgl. Knauer, 1992).
Die Erhaltung der Ganzheit bzw. die Wiederherstellung nach Streß ist in der Literatur mit vielen Begriffen belegt worden. Je nach Realitätsebene und Autor werden verschiedene Termini benutzt, z.B. spricht Plessener (1976) von Entsprechungsregel, J. v. Uexküll (1940, 1980) von Kompositionslehre der Natur oder Sabetti (1985) - wenn er die biologische Ebene meint - Erhaltungsbewusstsein.
Ein gewisser Streß gehört zu einem gesunden Energieprozeß, er nötigt das System (Geist, Gefühl u. Körper) zur Änderung und Anpassung und deshalb zur Wiederherstellung seiner Ganzheit und damit Gesundheit, oder es geht zugrunde.
Thure v. Uexküll nimmt Bezug auf Medawar und Medawar (19779 und verwendet den Begriff Emergenz, um die Wechselwirkung und die Konsequenzen zwischen dem Ganzen und seinen Teilen aufzuzeigen.
Danach führt jede Integration von Elementen zu einem Ganzen zu einer "Reduktion von Komplexität" als Ausdruck einer neuen Ordnung auf einer höheren Stufe. Ein Versagen dieser Reduktion auf der bisherigen Ebene führt durch die zwangsläufige Freisetzung von Aktionsmöglichkeiten, die jetzt nicht sinnvoll genutzt werden, zu einer Verletzung der Ordnung auf den höheren Ebenen (T. v. Uexküll, 1981). Diese "Verletzung" wird von diesen Autoren als die Grundlage jeder Pathologie angesehen.
Beim Versagen der Reduktion muss es nicht notwendigerweise zur Pathologie kommen. Die therapeutische Erfahrung zeigt, dass diese sogenannte Verletzung, wenn sie nicht zu groß bzw. zu klein ist, den oben erwähnten hilfreichen, wenn auch vom Individuum zunächst oft nicht gewollten, Schock bzw. Streß darstellt. Insofern kann diese "Verletzung" eine Chance zur Heilung sein (auch die Life Energy Therapie machte diese Erfahrung) – vermutlich gerade bei chronischen Prozessen.
Die Emergenz-Philosophie mit S. Alexander, C.L. Morgan, Michael Polangi u.a., man könnte aber auch Sri Aurobindo u. Henry James hinzurechnen verstehen unter Emergenz, dass die Evolution etwas Neues (es ist ein spontaner, kreativer Prozess) hervorbringt, was zuvor nicht existiert hat. Es kann sich dabei um neue Strukturen, Prozesse oder Gesetzmäßigkeiten handeln. Das Neue kann aus den bisherigen Gegebenheiten nicht erklärt und vorhergesagt werden. Es unterscheidet sich in Qualität, Form und Gesetzt – es handelt sich dann um eine neue, höher bewusste Realitätsebene. D.h. dass das Emergenzkonzept von der Existenz verschiedener (meist hierarchischer) Stufen ausgeht. Es lehnt reduktionistische Vorstellungen ab.
Nach Hegel, Henry James u. Sri Aurobindo gründet die Entwicklung (Evolution) der Welt auf das verborgene Wirken eines höchsten Prinzips (Involution = Gott). Die Idee der Involution/Evolution trägt dazu bei eine ursprüngliche "Über-Existenz" zu begründen. Nach Swedenborg (1863) handelt es sich bei der Natur um die vollkommene Verkörperung des Göttlichen (= Involution).
Auch W. Liebenthal betont, dass diese Vorgänge spontan ablaufen, d.h. nicht durch eine Situationsveränderung von außen her erzwungen werden, sondern selbständig ihrem teleologischem Ziel zustreben. Erst wenn diese erreicht werden, würden äußere Einflüsse auf sie einwirken (S. 16).
Das Involution-Evolution-Konzept hilft die tiefe Übereinstimmung zwischen mentalem Bereich, Wille, Gefühle und Körper zu erklären. Unsere Zellen reagieren demzufolge auf unsere Gedanken und Absichten und die ich-transzendenten Kräfte, weil sie dieselbe, ewige oder ursprüngliche Quelle haben.
Dem Faktor Streß, als ein gewisses Chaoselement, kommt nach der Stressforschung eine konstruktive Funktion zu.
Es ist allgemein bekannt, dass Stress über wichtige physiologische Systeme des Körpers Flucht- und Abwehrreaktionen auslöst. Diese sinnvollen Reaktionen werden jedoch oft aus vielerlei verständlichen Gründen unterdrückt. Wir sind auf Kampf und Flucht eingestellt, tun aber keines von beiden und leben unter ständiger Anspannung mit dem Ergebnis körperlicher Symptome mit akutem oder chronischem Verlauf. Auf die Anspannung kommt zeitlich verzögert das innersekretorische System in Gang, die Stressreaktion im engeren Sinn. Sie schwächt die Körperabwehr, was dann weitere schlimme Auswirkungen haben kann (es sei denn es ist ausreichendes Bewusstsein vorhanden).
Selye unterscheidet zwei Arten von Abwehr, die syntoxische Reaktion und die katatoxische Reaktion. Die erste schafft eine friedliche Koexistenz mit dem Aggressor, und die zweite ist auf Gegenangriff und Zerstörung aus.
"Auf niedrigen Bewusstseinsebenen überwiegt die katatoxische Reaktion, während auf höheren Ebenen jeder Angreifer aufgenommen und dadurch neutralisiert wird. Liebe ist hierfür das beste Beispiel. Durch die grenzenlose Offenheit ist sie hierfür das beste Beispiel. Durch die grenzenlose Offenheit ist sie die perfekte Verteidigung. Sie braucht sich vor nichts zu schützen, weil sie keine Grenzen hat, die es zu verteidigen gilt ... uns selbst zu lieben bedeutet, uns ganz zu akzeptieren..., damit sind die meisten Stressoren des Lebens schon aus dem Weg geräumt.", Sabetti, 1985, S. 186-186.
Unsere Symptome stellen den Versuch dar, die Ganzheit wiederherzustellen, nachdem die direkten Energieprozesse blockiert sind. Ganzheit ist demnach nicht nur der Ansatz vom Verständnis der Psychoemosomatik (PES), sondern auch ihr fundamentales Funktionsprinzip. PES wurde von Sabetti als neuer Begriff eingeführt. Die ursprüngliche Bedeutung des Begriffes "Psyche" implizierte soviel wie Seele, Geist, Atem und Bewusstsein und nicht die emotionale Welt.

Zur Somatischen Einheit

Angeregt durch S. Freud fand W. Reich als erster westlich körperorientierter Psychotherapeut heraus, dass die „Charakterhaltung“ nicht nur als Einstellung, als gedankliches Gebilde in der Psyche des Menschen auftritt, sondern auch ganz wesentlich den körperlichen Ausdruck beeinflusst.
Reich nannte dies den „Charakterpanzer“. Der Panzer wird durch den chronischen Prozess gehemmter Energie geschaffen. Die Muskeln bilden ein Reservoir, in dem körperliche Energie gehalten und so an ihrem natürlichen Fluss gehindert wird. Die Charakterhaltung ist die mentale Komponente und der Charakterpanzer die körperliche. Reich ging von einer funktionellen Einheit aus, die er als „psychosomatische Identität“ bezeichnete. Die Prozesse beider Komponenten laufen nach Reich simultan ab, sie bedingen sich nicht wechselseitig, wie manchmal spätere Interpreten angenommen haben.
Aufladung und Entladung sind dabei wichtige Vorgänge, die auf die Persönlichkeit des Menschen Einfluss nehmen.
Beim Aufladen wird Energie im Körper gespeichert, bis sie ihren Höhepunkt erreicht. Dann erfolgt die Entladung. Beim Auf- und Entladen fließt die Energie von einem Pol zum anderen, von Plus nach Minus, von Yin nach Yang und umgekehrt, die Aufladung entspricht einer Ausdehnung und die Entladung einer Zusammenziehung. Die Aufladung ist notwendig, um den Nährstoff für die Ausführung der biologischen und anderen Funktionen zu liefern. Die Aufladung kann über vielfältige Weise erfolgen, z.B. durch eine bestimmte Atmung, spezifisch vorgegebene Bewegungen, Einnehmen bestimmter Körperpositionen und durch Aufmerksamkeit.
Beim Entladen wird Energie vom Zentrum in die Peripherie des Körpers geleitet. Sie bewirkt persönliches Wachstum und Kontakt zur Außenwelt. Durch Auf- und Entladung kann das Gleichgewicht der zunächst stärker werdenden Gegensätze auf einem höheren Energieniveau wiederhergestellt werden.
Ein höheres Energieniveau erzeugt mehr Lebendigkeit im Körper; Gefühle und Körperempfindungen werden intensiviert. Auch Körperstrukturen ändern sich in Richtung stärkerer Harmonie. Das höhere Energieniveau erbringt mehr Frische, geistige Klarheit und Ganzheit.

Die Bioenergetik (Lowen und Pierrakos) fügten dem Reich'schen Ansatz das Konzept des „Grounding“ hinzu.
Die Entladung erfolgt bei Lowen primär über die Beine in den Boden, deshalb arbeitete er mit seinen Klienten überwiegend im stehen.
Bei Reich lagen die Klienten noch überwiegend auf dem Boden. Das bioenergetische Modell erlaubt den Klienten die Übernahme von mehr Verantwortung als bei Reich.

Sabetti und Kollegen haben jedoch die Erfahrung gemacht, dass das Konzept der Muskelpanzerung nicht in jedem Fall zutrifft. Nicht jede neurotische Störung wird von einem muskulären Hypertonus begleitet. Auch Erschlaffung, ein hypotoner Prozess nach Lillemoor Johnson, und andere Formen sind beobachtet worden. Die Anwendung sogenannter Stressübungen zum „Durchbrechen“ von Muskelstarre ist deshalb nicht mehr als die mechanische Behandlung von Auswirkungen einer Energiestörung, aber keine direkte Behandlung es Problems selbst. Es kommt vielmehr darauf an, die Aufmerksamkeit auf das gestörte Energiemuster zu lenken – nur dann kann an diesem Muster etwas verändert werden. Wenn das geschieht, gibt es für den Muskel nichts mehr festzuhalten.
Der Körper ist ein zusammengesetztes Feld, das nur als spezifische und fortgesetzte Manifestation des Bewusstseins existiert. Veränderungen sind deshalb am schnellsten herbeizuführen, wenn die Therapie bei den Bewusstseinszuständen ansetzt, die mit dieser Form zusammenhängen.
Ebenso sind auch Emotionen nur eine Ausdrucksform dieser Energie.
Eine Therapie, die diese drei Ebenen berücksichtigt (Geist, Emotion und Körper) und evtl. auch noch Ernährung, Politik, Kultur und geographische Verhältnisse, weiß, dass es wichtig ist, die emotionale Energie nicht einfach in der Katharsis verpuffen zu lassen, sondern sie darauf hinfließen zu lassen, wo der eigentliche Punkt ist. Viele unserer Emotionen sind situationsbedingte Reaktionen auf Dinge, die wir nicht akzeptieren wollen.
Wenn wir die Wirklichkeit wahrnehmen würden, wie sie ist, würden wir weniger Emotionen haben, die unterdrückt oder ausgelebt werden müssen.
Der Körper ist nur der Resonanzboden für emotionale Schwingungen. Wenn er krank ist, können innere Signale nicht richtig aufgenommen und ausgesendet werden.
Der Atem ist die Brücke zwischen Körper und Emotion und fügt dem ganzen Prozess das Element des Geistes hinzu. Deshalb ist zum Fühlen ein gewisses Mindestmaß an Atmung erforderlich. Personen mit depressiver Dynamik atmen flach, um sich nicht zu spüren.
Der Körper ist die Manifestation des Geistes. Der Körper als Form ist nur eine Manifestation der Lebensenergie; er besitzt kein eigenes Wesen außerhalb des Geistes.
Nicht unsere Organe, unsere Muskeln oder der ganze Körper sind krank, sondern mit unserem Umgang mit Energie und Bewusstsein stimmt etwas nicht, und die körperlichen Probleme sind nur der Niederschlag dieser Tatsache.
In transpersonaler Hinsicht ist nach S. Sabetti (1985, S. 271) der Körper ein Energieumwandler und wirkt als Konkretisierungsmedium für höhere und tiefere Frequenzen.

Zur emotionalen Einheit

Emotionen werden heute meist als psychophysische oder Verhaltensphänomene, als komplexe Interaktion zwischen Gehirn, Nervenaktivität und sozialem Rollenmuster gesehen. Ihre wahre Bedeutung wird dadurch nur zum Teil erfasst.
Schon Freud behauptete, dass Emotionen mit psychischer Energie verbunden sind und neurotische Symptome den Versuch darstellen, im Übermaß aufgestaute Energie zu entladen (= Ökonomieaspekt).
W. Reich vertiefte die energetische Betrachtung, indem er darauf hinwies, dass der emotionale Ausdruck mit Muskelarbeit verbunden ist und dass die Unterdrückung von Gefühlen mit Muskelanspannung einhergeht, die mit der Zeit chronifizieren kann.
Nach Lillimoor Jonson gibt es auch den entgegengesetzten Fall, dass mit der Unterdrückung von Emotionen eine zu schwache Muskelspannung verbunden ist. Entwicklung von Emotionen wird demnach durch Ausschaltung der Muskeln unterbunden, die für den Ausdruck der gefürchteten Gefühle in Frage kommen würden.
Das Zurückhalten von Emotionen geschieht wahrscheinlich nicht nur über die Muskulatur, sondern auch in den inneren Organen. Die alten Chinesen (Elementenlehre) behaupten, dass jede Emotion einem bestimmten Organ bzw. Organpaar zugeordnet ist, das diese spezifische Emotion mit Energie versorgt. Störung in den Organen bedeutet dann auch Störung der Emotionalität. Laut M. Stohrer: "Emotionen führen zum Ungleichgewicht der inneren Organe (S. 93, Co`med Nr. 3, 2001. Im Rahmen der taoistischen Auffassung verweise ich auf Mantak Chia, 1984/5.
Von Natur aus sind Emotionen Prozesse und keine Inhalte. Erst ihr Zurückhalten führt zu einem verfestigten dinghaften Charakter.
Bei der Entwicklung von Emotionen sind vier miteinander verbundene Phasen zu beobachten. Am Anfang steht

  1. eine Feldinteraktion, entweder in der Person oder zwischen Person und Umfeld. Daraus geht
  2. eine physische Empfindung (= Erregungszustand) hervor. Daraus folgt
  3. eine Phase der Interpretation dieser Erregungsvorgänge, die Phase des Fühlens. Soziale Normen, Erfahrungen usw. machen aus einer neutralen Empfindung eine sinntragende Energiegestalt.
  4. Wenn das Gefühl stark genug ist, geben wir ihm Ausdruck, und dann ist es als Emotion zu beobachten.

Nach "Life Energy Process" haben Emotionen folgende energetische Aufgaben:

  1. Energie-Überschüsse werden abgebaut. Die Emotionen erfüllen eine wichtige Aufgabe bei der Homöostase. Emotionen haben Aktivierung- und Hemmungwirkung. Durch diese Funktion schaffen sie ein Milieu, in dem sowohl Wandel als auch Stabilität möglich ist.
  2. Emotionen können als Feedback dienen und uns dadurch anzeigen, wer wir sind. Sie dienen also zur Identitätsfindung.
  3. Emotionen können Indikatoren sein, die uns darauf hinweisen, ob wir unsere wahren Interessen verfolgen. Sie vereinigen uns mit der Bedeutung des Lebens (s. S. Sabetti, E-K, S. 2), wir können daran erkennen, ob wir noch in der Ganzheit sind.
  4. Emotionen erfüllen uns energetisch gesehen mit Vitalkraft. Zum Beispiel ist Begeisterung und Lebendigkeit am Glanz der Augen zu erkennen.
  5. Laut Sabetti besteht der wichtigste Aspekt der Emotionen in ihrer vereinigenden Kraft. Sie tragen dazu bei, dass Körper und Geist in der totalen Erfahrung des Augenblicks verschmelzen. Emotionen verbinden uns spontan und auf verschiedenen Ebenen mit der Ganzheit des Lebens. Von der Ganzheit getrennt sind wir bei sozialer Isolation, kognitiver Verwirrung, Unkonzentriertheit, schizoiden Merkmalen usf.
  6. Emotionen zeigen uns an, wie weit wir in unserer Entwicklung fortgeschritten sind. Wenn uns z.B. noch Kleinigkeiten ärgern, sind wir den Äußerlichkeiten des Lebens noch stark verhaftet. Emotionen zeigen uns unfertige Energiegestalten an und damit auch, wohin der nächste Entwicklungsschritt gehen könnte.

Wenn wir sehen, wo wir Schwierigkeiten haben, können wir mehr Energie dorthin lenken und die Probleme lösen. Jede Bereinigung von Schwierigkeiten führt zu mehr Ganzheit.

Exemplarisch die wichtigsten Emotionen:

  • Liebe ist gleichbedeutende mit Offenheit für mehr Ganzheit.
  • Furcht ist gleichbedeutend mit zurückgehaltener Erregung. Furcht ist nach Fritz Perls auf sich selbst zurückgeworfene Erregung.
  • Leiden ist ein Zurückhalten von Schmerz und Traurigkeit. Leiden ist nicht-akzeptieren von Schmerz. Weinen ist notwendig, wenn das Gefühl der Verletzung sich in Traurigkeit verströmen kann.
  • Zorn ist gleichbedeutend mit Grenzen setzen, es ist der Prozess der emotionalen Abwehrreaktion, der sich auf der physischen Ebene als Widerstandskraft gegen Krankheiten zeigt.

Obwohl die Emotionen eine Verbindung zu den anderen Ebenen aufweisen, kommt ihnen - wie oben zu erkennen ist - eine bedeutsame Eigenständigkeit zu. Sabetti empfiehlt deshalb, den Begriff Psychosomatik durch Psychoemosomatik zu ersetzen. Zu mal auch die ursprüngliche Bedeutung des Begriffs "Psyche" nicht die emotionale Welt beinhaltete (s.S. 6).

Zum Bewusstsein

Bewusstsein ist die Fähigkeit, vom Wissen zu wissen. Wir sind, wenn uns etwas bewusst wird, unseres Wissens inne geworden. Bewusstsein wird nach seiner Qualität und dem richtungsgebendem (Bedeutung und Sinn für die evolutionäre Ausrichtung) Aspekt der Energie bemessen. Nach Auffassung der "Life Energy Therapie" bestimmt der Bewusstseinsaspekt der Energie wie, wo und in welcher Form die Energie vorliegt. Die mentale Ebene existiert als Medium für Bewusstsein (vgl. Sabetti, 1985).
Nach ganzheitlich orientierten Autoren ist die wirkliche Quelle des Heilens die Verbindung zu unserem Geist, dessen Wirksamkeit das Personale überschreitet (Ken Wilber, Jean Gebser u. viele andere: Vorbewusstsein, personales Bewusstsein und kosmisches Bewusstsein als Niederschlag des göttlichen Bewusstseins.

Viele Erfahrungen, die wir im Leben machen, passen nicht zu unserer Vorstellung, wie das Leben sein sollte, bis wir diese scheinbaren Unvereinbarkeiten aus einer höheren, umfassenderen Perspektive sehen können.
Dies bedeutet über Erfahrung und Experiment über unsere Ego-Grenzen bzw. die bisher angenommen Grenzen hinausgehen zu einer neuen Identität, die zu einem anderen Zeitpunkt evtl. ebenfalls wieder in Frage gestellt wird. Dabei geht es weniger um Inhalte, sondern um gestörte Energiemuster, auf die wir uns fokussieren. Die L.E.P. bezeichnet diese Art von Bewusstsein als " Essentielle Wahrnehmung".
Bewusstsein bedeutet danach zunächst eine "Aufladung" unserer Probleme; sie werden lebendiger, beweglicher und daher besser (wahrnehmbar) lösbar. Energiebarrieren als Ausdruck von Krankheiten und gestörtem Lebensmuster werden von der L.E.P. nur in ihrer Beziehung zur Ganzheit ins Blickfeld genommen, und nur soweit es notwendig ist, um Störungen, die sie verursachen zu beseitigen. Andernfalls fördert man eher die Störung als die Ganzheit.
Die Bewusstheit ist ein kontinuierlicher Prozess. Die subjektive Erfahrung verschiedener Bewusstsein sebenen ist ein diskontinuierlicher Ablauf, der in Gang kommt, wenn die Energie der Bewusstheit in der gesammelten Wahrnehmung erhalten bleibt.
Wenn wir uns in der „Bewusstheit“ sammeln und diese Sammlung nicht wieder verlieren, so kann die durch die Aufmerksamkeit kumulierte Energie nicht wieder verpuffen, sondern verdichtet sich, bis der quantitative Zuwachs in eine qualitative Veränderung umschlägt und wir in einen neuen Bewusstseinszustand eintreten (vgl. Sabetti, 1979/85). Voraussetzung ist, dass wir dabei eine offene, nicht wertende, aber sehr aufmerksame Haltung einnehmen.
Die L.E.P. (vgl. Sabetti, 1992) hebt für gesunden Wandel drei Arten von Bewusstheit hervor "Bewusstheit der Muster", "Phole-Bewusstheit" und "Bewusstheit der Optionen". Mit Bewusstheit der Muster ist das Erkennen der typischen Energieprozesse hinsichtlich wo, wann, was und wie gemeint.
Phole-Bewusstheit sieht das einzelne Problem (Element) vor dem umfassenden Hintergrund der Ganzheit. Bewusstheit der Optionen führt uns zur Konzentration auf neues Wandlungspotential. Durch die erweiterte Wahrnehmungsfähigkeit werden uns neue Informationen zuteil, die unser Motiv zur Veränderung steigern (vgl. Sabetti, S. 212, 1992).

Wenn Heilung dauerhaft und vollständig sein soll, dann ist es wichtig, das Bewusstseinsniveau dauerhaft anzugeben. Für denjenigen, der bereit ist, sein Entwicklungspotential ganz auszuschöpfen, findet Wandlung auf verschiedenen Ebenen bis zum Lebensende statt.

 

Literaturliste

  • Wilber, Ken: Naturwissenschaft und Religion, Frankfurt a. M., Krüger, 1998
  • Chia, Mantak: Tao Yoga, Tao Yoga der Liebe, Ansata, Interlaken, 1984/5
  • Murphy, Michael: Der Quantenmensch, Bern, München, ..., Integral, 1998 (1992)
  • Sabetti, S.: Lebensenergie, Bern, München, Wien, Scherz, 1985
  • Sabetti, S.: Rhythmen des Wandels, München, Hugendubel, 1992
  • Sabetti, S.: Life Energie Therapie (Energie-Konzepte), Institute for Life Energy, München, 1978
  • Sabetti,S.: Towards an Energy Psychology, Institute for Life Energy, München, 1990 (1986)
  • Satprem (1990): Sri Aurobindo, Hinder & Deelmann, Gladenbach, 1991
  • Liebentahl, W.: Gestalt und Ding, 1978, damals noch unveröffentlicht. Gleiches erkennt Gleiches.
  • Uexküll v. T. (1981): Psychosomatische Medizin, Urban & Schwarzenberg München, Wien, Baltimore, S. 1272-1288
  • Weizäcker v. CF (1972): Die biologische Basis der religiösen Erfahrung, Suhrkamp, Bern München, 1988
  • Jäger, Williges: Die Welle ist das Meer, Herder, Freiburg ..., 2000
  • Horn, O.: Das Krankheitsbild der Neurose, Aulendorf, 1982
  • Horn, O.: Psychoemosomatik, Altshausen, 1993
  • Horn, O.: Was ist Energiearbeit?, Altshausen, 1995
  • Altshausen, Artikel vom 08.04.2001, Oswald Horn (Vortrag auf einem Kongress im Osterberg-Institut am 12.05.2001)

 

Altshausen, 05. Oktober 2008
Oswald Horn