Physischer Tod


Lucy Cornelessen fasst Ramana Maharshis Aussagen bezüglich Tod zusammen: „Jeder muss sterben. Wir wissen es; es ist daher erstaunlich, wie wenig diese unausweichliche Tatsache unser Verhalten bestimmt.“ (S. S. 149, R. M. und die Suche nach dem Selbst, dt 1979). Wenn uns dieses Ereignis bewusster sein würde, würden sich unsere zerstörerischen Neigungen auflösen und das Leben würde an Wichtigkeit verlieren vor dem Schweigen des Todes, stellt sie so treffend fest.
Leben und körperlicher Tod sind für uns so wichtig, weil wir uns mit dem Körper identifiziert haben. Deshalb schieben wir den Tod so von uns weg und hängen so am physischen Leben. Es ist eine falsche Identität; der Körper ist unser Vehikel, er ist wichtig für vielfältigen Transformationen. Unsere Essenz ist unsterblich, etwas viel Größeres, zwar eine Zeitlang mit ihm verbunden, aber nicht von ihm abhängig. Der Körper ist nur die letzte Manifestation höherer Ebenen von uns - des Geistigen (Vergl. auch S. Sabetti, Das Eine, dt 2011). Wirklich interessant und bedeutsam sind vor allem die höheren Ebenen. Deshalb ist der Körper nicht so bedeutsam. Leider halten viele Menschen gerade in der heutigen Zeit, ihn viel zu wichtig.
Wir sollten erkennen, dass wir mit ihm identifiziert sind und uns von dieser Identität verabschieden. Ohne Anleitung und Training ist dies schwierig.
Wir sollten lernen zu sterben, solange wir noch leben.
Es würde uns befreien aus all unseren Abhängigkeiten; wir würden erfahren, wer wir wirklich sind, schon immer waren und immer sein werden. Es wäre nebenbei auch die beste Vorbereitung auf den physischen Tod.
Wenn jemand stirbt, hat nicht der Tote ein Problem, sagt Ramana Maharshi, der Tote trauert nicht, sondern die Überlebenden. Mit dem Sterben der falschen Identität, würde auch alles Leiden sterben. Es leidet die falsche Identität. Löst sie sich auf, löst sich auch das Leid auf. Tod kann nach ihm, wie ein längerer Schlaf verstanden werden. Den Schlaf akzeptieren wir - warum nicht auch den Tod?


Altshausen, den 20. August 2017
Oswald Horn