Süchte


wie Alkohol-, Nikotin-, Kauf-, Ess-, Mager-, Eifer-Sucht und nicht zuletzt auch Aktionismus in jeglicher Form - ein Schaden für den Betreffenden und gegebenenfalls für das Umfeld

Zur Anamnese: Ein unangenehmes Empfinden (physisch, emotional) soll vermieden werden, sei es Langeweile, über-Erregung, Schmerzen, Unsicherheit, Ängstlichkeit, Traurigkeit, Konflikte verschiedener Art und vieles mehr. Der Betreffende konfrontiert sich nicht direkt mit dem, was in ihm und um ihn gerade vor sich geht, er löst diesbezüglich nichts, sondern praktiziert Vermeidung. Er greift gleichsam zu einer Scheinlösung, denn Das-zu-Vermeidende verschwindet ja nicht wirklich. Es bedarf einem ständigen Dagegen-Ankämpfen, das viel Energie und Zeit kostet. Und je nach schädigender Konsequenz des Suchtmittels/-verhaltens, kauft sich der Betreffende dann die schädigende Wirkung des Suchtmittels noch zusätzlich ein. Die Auswirkungen können sich auf der physiologischen, psychologischen und oder sozialen Ebene manifestieren. Damit hat er dann ein weiteres Problem. Und vorrübergehend sogar ein Drittes, das des Entzugs, wenn er bereit ist, das Suchtverhalten zu unterlassen.
Die ganzen Ausflüchte bringen ihn letztlich immer wieder zum Ausgangsthema zurück - eine „kosmische Einrichtung“, denn das sollte ja ernsthaft gelöst, anstatt umgangen werden.
Vermeiden im Sinne von Leugnen, Rechtfertigen, Bagatellisieren u. a. m. , aber auch vorschnelle Ad-hoc-Lösungen sind keine wirklichen Lösungen. Der Betreffende knickt gleichsam immer wieder ein und vergrößert seine Gesamtproblematik und damit die Notwendigkeit einer echten Lösung der Problematik oder er „geht vor die hunde“.

Ein Tipp zum Umgang mit diesen Süchten:
Wenn das Suchtbedürfnis auftaucht, dann beschäftigt sich die betreffende Person in der Regel mental mit der Befriedigung über das Suchtmittel (Zigaretten/Essen ...) und kämpft subtil oder offen dagegen. Der Fokus ist also sinngemäß darauf gerichtet: „Wie wäre es, wenn ich jetzt eine Zigarette/Schokolade ... hätte?“ Sein Denken stellt also eine Projektion in die Zukunft dar, da gibt es jedoch außer Frust nichts zu holen, solange nicht zum Suchtmittel gegriffen wird, was dann ja einem Rückfall gleichkommen würde und das Suchtverhalten jedes mal aufs neue verstärken würde. Ein Konflikt, ein kleiner Krieg wird so installiert, denn Wunsch und Tatsache stehen sich unvereinbar gegenüber.
Wenn jedoch die Aufmerksamkeit auf den momentanen „Entzugshunger“ gerichtet wird, dann ändert sich etwas, denn dies ist die Tatsache. Eine Transformation kann dann erfolgen. Erforderlich dabei ist, zunächst dieses „Scheißgefühl“ absolut zu akzeptieren, ja darauf sogar neugierig zu sein, ihm Raum geben, auch wenn es sehr unangenehm ist. Warum sollte auch Unangenehmes nicht annehmbar sein? Diesbezüglich sind wir oft verwöhnt, nehmen jedoch an anderer Stelle notgedrungen die unangenehmen Gefühle aus der Konsequenz des Vermeidens in kauf – dies ist im wahrsten Sinne des Wortes „verrückt“. Der Abhängige sollte sich selbst dabei nicht verurteilen, das bedeutet nicht, dass er sein Suchtverhalten bagatellisieren oder dramatisieren sollte, sondern einfach - ohne Wertung - sein Tun und das daraus resultierende Empfinden absolut ins Gewahrsein nehmen, dies ist emotional schon schlimm genug, dort sollte er innehalten – das genügt.
Wenn der Fokus sich auf eine Vorstellung oder einen Wunsch richtet, deren Realisierung ja erst in der Zukunft liegt, dann ist dies keine Tatsache und deshalb kann es keine Transformation/Änderung im Empfinden und insgesamt im Erleben geben. Dabei ist es notwendig, sich nicht mit dem unangenehmen Empfinden zu identifizieren. Es einfach nur voll ins gegenwärtige Gewahrsein nehmen genügt.
Dieses Vorgehen ist das Rezept, um das Suchtverhalten zu unterlassen.
Dieses Rezept dient auch zur Lösung der Ausgangsproblematik.
Wenn der Betreffende noch nicht bereit ist, bzw. glaubt, noch nicht aufhören zu können, sein Suchtverhalten einzustellen, dann sollte er sich keineswegs verurteilen, sondern sein Suchtverhalten mit all den Konsequenzen ins Gewahrsein nehmen, also beispielsweise bewusst rauchen, essen, einkaufen ... .

Einzelheiten der Vorgehensweise sind den anderen Aufsätzen dieser Homepage zu entnehmen.

Altshausen, den 28. Januar 2020
Oswald Horn