Worauf kommt es an?


Das Bewusstsein muss universalisiert werden. Im mentalen Schweigen, im vitalen Frieden und in der Unbewegtheit des Körpers wird Bewusstsein ausgedehnt.

Allen Bewusstseinsebenen des Daseins müssen wir uns zuwenden. Die mentale, die emotionale, die körperliche und die kollektive Variante müssen Berücksichtigung finden, gleichsam vertikal als auch horizontal, oben wie unten.
Da alles das gleiche Wesen ist, gibt es nur einen "Körper" in dieser Welt. Alles hängt miteinander zusammen. Die Ganzheitliche Betrachtung besagt, dass in jedem Detail das Ganze enthalten ist und dass das Ganze aus diesen Teilen besteht. Außerdem interagiert alles miteinander.

Bewusstseinserweiterung wird in der Regel nicht durch einen "Sprung ins Wasser" erreicht, sondern durch ein allmähliches Übergehen in die Bereiche jenseits dessen, was wir schon kennen. Eine möglichst kontinuierliche Präsenz ist nicht nur in einem definierten Meditationsraum oder Gotteshaus zu einer bestimmten Zeit, sondern gerade auch im Alltag erforderlich. Ekstase und durch Drogen veränderte Bewusstseinszustände führen zu keiner nachhaltigen Entwicklung.

Die materielle "Göttlichkeit" wurde zulange verkannt. Bisher war man zu sehr auf die Herabkunft (von oben) des neuen Bewusstseins fixiert und kaum auf das aufsteigende (von unten) aus der Materie, dem Körper kommende. Jedes Individuum trägt in sich selber eine Wahrheit. Es geht darum, sich mit dieser Wahrheit zu verbünden. Die Materie wird analog einer Samenkapsel durch Aufmerksamkeit gesprengt, um den Keimling ans Licht zu befördern. Transformation sollte mit der persönliche Entwicklung Hand in Hand gehen.
Das Zelluläre hat immanent einen eigenen mentalen Aspekt, den es gilt zu wecken. Der Verstand ist nach Sri Aurobindo verantwortlich für die Hyperaktivitätsmuster unserer Zellen, die zum vorzeitigen Altern und schließlich zum Tod des Menschen führen. Unsere Bewusstseinsenge, unsere Selbst- und Fremdmanipulationen sind für das Heißlaufen, den Konflikt, den Schmerz und die Krankheit auf der materiellen Ebene verantwortlich.

Sri Aurobindo und seine spirituelle Partnerin machten die Erfahrung, dass eine individuelle Bewusstseinserweiterung immer wieder einen Rückfall erlebt, ein Auf und Ab, je höher oben, um so tiefer sei der Absturz und je größer der Absturz, um so höher geht es in der nächsten Welle nach oben. Die falschen Schwingungen anderer durchdringen den individuellen Prozess, sie müssen in einem selbst berichtigt werden. Der Rest der Welt verhindert gleichsam einen spirituellen Alleingang. Insofern ist für den dauerhaften Erfolg eines Einzelnen auch höheres Bewusstsein einer bestimmten kritische Masse des Kollektivs erforderlich. Wenn wir wirklich mitfühlend sein würden, würden wir dem Mitmenschen in der Bewusstwerdung ganz selbstverständlich behilflich sein. Ist jedoch derzeit der erforderliche Anteil der Menschheit dazu bereit?
Nur begrenzt lässt sich auf dieser Welt etwas transformieren, wenn wir es nicht durch uns hindurchlassen, wenn wir kein echtes Mitgefühl erleben. Dieser Prozess ist keineswegs mit Mitleid zu verwechseln, er hat durchwegs mit Liebe und meist auch mit Freude zu tun.

Es ist die Ausweitung des Bewusstseins auf allen Ebenen angezeigt.
Nach Sri Aurobindo ist das Schweigen die Basis für die mentale Transformation, der Friede die Basis für die vitale Transformation und die Unbewegtheit die Basis für die physische Transformation.

 


Altshausen, 23. Dezember 2010
Oswald Horn