Haben wir noch Zeit - eine paradoxe Betrachtung?


Wir müssen die Frequenz unseres Bewusstseins anheben, um durch die Präsenz der Gegenwart durch die Zeit hindurchzugehen - wir sollten "zeitfrei" werden!
Damit würden wir die Ursache-Wirkungsebene verlassen, unser finalitätsbedingtes Handeln, das im heutigen Zeitgeist sich in Begriffe widerspiegelt wie "keine Zeit haben", "es zeitlich nicht schaffen", "sich Zeit nehmen müssen", "die Zeit totschlagen", "nimmt dir Zeit" u. v. m.

Unser Kollektiv und fast jedes Individuum bringt sich so in einen ungesunden Stress. Effekthascherei und Profitgier sind Auswüchse dieses Bewusstseins, das wiederum für die Rücksichtslosigkeit in der heutigen Welt verantwortlich ist. Die Gier nach Ansehen, Macht und Profit führt zu Verschmutzung jeglicher Art. Die schlimmste Verschmutzung ist die mentale. Wir decken uns mit Konsum und Süchten zu, um den Zustand überhaupt aushalten zu können. Wir machen uns selbst und unsere Umwelt krank. So schaffen wir Umweltkatastrophen, Wirtschafts- und Finanzkrisen. Global gesehen bewirken wir ein extremes soziales Ungleichgewicht und legen dadurch den Keim für Terrorismus. Wir vernichten letztlich unsere Erde und damit uns selbst.

Es ist ein großes Paradoxon, dass gerade unsere überzogene materialistische Ausrichtung die Materie auslöschen wird. Es ist dringend geboten, unser Bewusstsein individuell und kollektiv zu steigern.

Wie? Wir müssen kontinuierlich gegenwärtig sein, ohne uns mit bestimmten Bewusstseinsinhalten zu identifizieren. Die Anwendung von Konzepten ob philosophischer, religiöser oder naturwissenschaftlicher Art kann sehr hinderlich sein. Favorisiert wird eine resonanzbegründete Spiritualität auf der Basis individueller Erfahrung.

Unser Köper und unsere Wahrnehmung dienen uns als Transformationswerkzeuge. Dies kann trainiert werden und bedarf der Konzentration und keiner anderen Intelligenz, als der vorhandenen.

Wir würden mit diesem Bewusstsein nicht viel weniger leisten, würden dann aber jedem Prozess, die Zeit geben, die er benötigt. Die Zeit an sich ist dann kein Thema mehr, sie verliert dann ihre Pseudoeigenständigkeit. Für unsere eigenen Rhythmen wäre dann wieder Raum. Wir müssten nicht mehr gegen uns und somit auch gegen andere kämpfen und würden uns synchronisieren mit kosmischen Zyklen. Belange orientieren sich nur noch nach der Bedeutsamkeit fürs Ganze und werden nicht mehr unterschieden in grundsätzlich meine und deine. Es gibt dann keine Grenzüberschreitungen, keine Über- und Unterladungen mehr weder intra- noch interpersonell. Offenheit, also Transparenz und Vernetzung ist Voraussetzung dafür. Wie schon an anderen Stellen erwähnt, ist dann ganz wichtig, den Fakten auf allen Realitätsebenen ins Auge zu schauen, sich ihnen mit dem ganzen eigenen System auszusetzen, um sich somit echten schöpferischen Prozessen zu öffnen. Dies schließt Eigen- und Fremdmanipulation, Auf- und Abwertung aus. Akzeptanz und Hingabe, wo wir Dinge nicht mehr ändern können, werden relevant. Gesetzmäßig wird dann Heilung auf allen Ebenen offenbar werden. Mit Staunen werden wir vielfältig Synchronizitäten erfahren. Eine immanent vorhandene, allumfassende Ordnung wird zunehmend erfahrbar. Sich ihr gegenüber zu öffnen, ist unser Lernprozess und der tiefere Sinn unseres Daseins.

Aber Vorsicht, daraus darf kein Konzept gemacht werden.

Wollen wir ihm gerecht werden? Wenn ja, dann genügt es nicht mehr nur unsere eigene Entwicklung/Erleuchtung vor Augen zu haben, wir sollten auch die unserer Nächsten mit einbeziehen. Wir können uns in Anbetracht der anstehenden Probleme nicht mehr den Luxus leisten, Zeit zu vertrödeln. Wir müssen kollektiv handeln und können dabei mit Feldbewusstsein arbeiten, wir müssen nicht selber überall vor Ort sein. Lasst uns in unserem Einfußbereich wirken, meines Erachtens würde das ausreichen. Mit dem bereits potenziell bestehenden Bewusstsein und mit der hohen Geschwindigkeit und den vielfältigen Einsatzmöglichkeiten der modernen Kommunikationstechniken scheint es mir möglich, die anstehenden Krisen lösen oder abwenden zu können.

S. a. Litr.-Liste

Altshausen, den 22.03.2010
Oswald Horn

 

Bemerkung zum Artikel:

Aus einer absoluten Warte betrachtet gibt es Zeit nicht. Dies sagen nicht nur die alten Weisheitslehren, sonder auch die moderne Quantenphysik.
In Form eines Metaphers könnten wir uns das mit unserem begrenzten subjektiven Bewusstsein mit R.S. Balsekar folgendermaßen vorstellen: Wir stehen mit geringem Abstand vor einem kilometerlangen Gemälde, welches auch sehr hoch ist. Nur einen sehr begrenzen Ausschnitt können wir jeweils erkennen, dann müssen wir weitergehen. Um uns das Ganze nur im Ansatz zu erschließen, müssen wir immer weiterrücken. Alles war und ist stets schon immer vorhanden, die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft, das ganze Gemälde. Uns erscheint, als ob das Bild sich bewegt. Wir definieren dieses Phänomen als Zeit. In Wirklichkeit bewegen wir uns aufgrund unseres beschränkten Bewusstseins. Aber selbst die Bewegung auf der subjektiven Seite ist eine Illusion.
Die Lösung besteht nicht darin, dass wir die Gegenwart favorisieren, solange sie sich auf der Dimension Zeit befindet. Ein Quantensprung im Bewusstsein ist erforderlich, d. h. ein Dimensionswechsel. Der Begriff Gegenwartsbewusstsein impliziert dies.

Altshausen, den 08.01.2011
Oswald Horn